Center for Life Ethics
Schaumburg-Lippe-Straße 7
D-53113 Bonn
13.05.2026
Die Medizin und das Gesundheitswesen sind von Innovation, Fortschritt und Daten geprägt. Die aktuelle digitale Transformation revolutioniert das Gesundheitswesen in einer beispiellosen Geschwindigkeit. Von KI-gestützter Diagnostik und telemedizinischen Konsultationen über digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und elektronische Patient[inn]enakten bis hin zum Einsatz von Robotik und KI in Diagnostik, Therapie und Pflege. Dabei versprechen die technologischen Innovationen vor allem effizientere Prozesse, präzisere, personalisierte Therapien und Entlastung des gesamten Personals.
Die aktuelle weitreichende Transformation ist dabei deutlich mehr als ein rein technologischer oder ökonomischer Prozess. Sie berührt den Kern des menschlichen Daseins: unsere Verletzlichkeit, unsere Autonomie und unser Bedürfnis nach Zuwendung. Die digitale Neugestaltung des Gesundheitswesens wirft folglich drängende normative Fragen auf. Einige Beispiele hierfür sind: Wie lässt sich das Wohl der Patientinnen und Patienten im Spannungsfeld von algorithmischer Entscheidungsfindung und ärztlicher oder pflegerischer Expertise wahren? Wie verändern Technologien die zwischenmenschlichen Beziehungen in Medizin und Pflege? Und wie können Gesundheitsinstitutionen diesen Wandel gerecht und werteorientiert gestalten?
Eingeladen sind alle, die sich für das Thema interessieren, das interdisziplinär diskutiert werden soll.
Wir suchen nach originellen Beiträgen, die das Tagungsthema theoretisch fundiert oder anwendungsorientiert beleuchten. Die vier ethischen Themenfelder sind (keine abschließenden) Vorschläge, wobei die Leitfragen lediglich als beispielhafte Impulse dienen:
• Medizin- und Gesundheitsethik
Wie verändert KI das klassische Arzt-Patienten-Verhältnis und das Prinzip des Informed Consent?
Welche Auswirkungen hat die zunehmende Quantifizierung von Gesundheit (z. B. durch Wearables) auf unser Verständnis von Krankheit und Normativität?
Wie lassen sich algorithmische Bias-Effekte und Diskriminierungsrisiken in der medizinischen Diagnostik verhindern?
Wie verändern Daten oder Digitale Zwillinge die Sicht auf betroffene Personen?
• Care-Ethik
Wie lassen sich fundamentale Prinzipien wie Zuwendung, Relationalität und Empathie in einem zunehmend technisierten Sorge-Umfeld aufrechterhalten?
Führt die Digitalisierung zu einer Abwertung von menschlicher Sorgearbeit (Care-Arbeit) oder bietet sie Raum für mehr «Menschlichkeit»?
Wie verändern sich informelle Sorgenetzwerke (z. B. pflegende Angehörige) durch Tele-Care und digitale Vernetzung?
• Organisationsethik im Gesundheitswesen
Wie können Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen den digitalen Wandel so managen, dass wirtschaftliche Effizienz nicht zulasten ethischer Standards geht?
Welche Verantwortung tragen Institutionen für die Datensouveränität und informationelle Selbstbestimmung ihrer Patientinnen und Patienten?
Wie verändert die Digitalisierung die Verteilungsgerechtigkeit und den Zugang zu medizinischen Ressourcen?
Wie können Dienstplanungen etc. mithilfe von KI effizienter und gerechter gestaltet werden?
• Pflegeethik
Wo liegen die ethischen Grenzen beim Einsatz von Robotik und Automatisierung in der professionellen Pflege?
Inwiefern können digitale Assistenzsysteme die Autonomie von Pflegebedürftigen stärken, und wo drohen Isolation oder Überwachung?
Wie verändert sich das professionelle Selbstverständnis und die moralische Praxis von Pflegenden durch die Interaktion mit intelligenten Systemen?
Der Call for Papers richtet sich explizit an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler (Post-Docs, Promovierende, sowie fortgeschrittene Masterstudierende), die sich an der Schnittstelle von Medizin, Technologie und Ethik bewegen.
Sie können Vorträge von ca. 20 Minuten zzgl. 20 Minuten Diskussion halten. Eine Teilnahme an der Tagung ist auch möglich, ohne einen Vortrag zu halten. Wir freuen uns über jeden und jede, der oder die die Themen mitdiskutiert!
Wir sind der festen Überzeugung, dass die Komplexität der digitalen Transformation nur durch einen echten interdisziplinären Dialog durchdrungen werden kann. Daher freuen wir uns auf Einreichungen aus allen relevanten Disziplinen, insbesondere aus der Philosophie, Theologie, Medizin, den Pflegewissenschaften, der Soziologie, den Rechtswissenschaften und der Informatik. Wir bieten eine wertschätzende Plattform, um unfertige Gedanken zu erproben, innovative Forschungsansätze zu diskutieren und sich über Fächergrenzen hinweg zu vernetzen.
Formale Rahmenbedingungen und Einreichung für Vortrags-Abstracts:
Wir bitten um die Einreichung von aussagekräftigen Abstracts für Vorträge (ca. 20 Minuten zzgl. 20 Minuten Diskussion):
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